| Manfred Stolpe las in der Nennhausener Kirche |
| Geschrieben von: der Märkischen Allgemeinen | |||
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Er gehört mittlerweile zum Brandenburgischen Dorfkirchensommer wie kein Zweiter. Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe kam am Sonntagnachmittag in die Nennhausener Kirche, um für die Besucher zu lesen, aber auch um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Mit seinem Besuch habe er eine lange Schuld beglichen, so Stolpe. Gerhard Kopp, einst Pfarrer in Nennhausen, hatte ihm vor Jahren das Versprechen abgenommen, dem Gotteshaus der knapp 2000 Seelen Gemeinde einen Besuch abzustatten. Nun hat er diesen Wunsch endlich erfüllt.
Stolpe hatte ein eher unpolitisches Buch ausgewählt: „Wir haben doch noch so viel vor – Unser gemeinsamer Kampf gegen den Krebs.“ Zusammen mit seiner Frau Ingrid beschreibt er darin, wie der Krebs ihre Beziehung verändert hat. Doch nicht nur die Krankheit ist Thema. Das Buch enthält viel Autobiografisches, unter anderem ein Kapitel über Stolpes Weg vom jungen Christen bis zum Leiter des Sekretariats des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR.
Es folgte ein geschichtlicher Abriss der Ereignisse – vom Arbeiteraufstand bis zur politischen Wende – stets gespickt mit persönlichen Eindrücken und Erlebnissen. Die Zuhörer lauschten und nickten bedächtig, als durchlebten sie in Gedanken noch einmal jene Zeit. „Der Mauerbau stürzte mich sofort in neue Aufgaben“, so Stolpe. Diese Entwicklung habe er zum Anlass genommen, das Vertrauensverhältnis zur Staatssicherheit zu stärken, im Sinne und Interesse der Kirchenmitglieder. Nur so sei es ihm möglich gewesen, zur Realisierung von Ausreiseanträgen beizutragen. „Das muss Stolpe machen“, wurde zum geflügelten Wort. Dennoch, die Kirche war ein Feind des Staates und nicht selten habe er erlebt, dass sich Menschen in ausweglosen Situationen das Leben nahmen. Schicksale, die betroffen und nachdenklich stimmen. Umso mehr habe er wissen und verstehen wollen, wie dieser Staat tickt. Auch dem Vorwurf, die Kirche habe sich dem SED-Staat angebiedert, stellte sich Stolpe. Für ihn sei es in erster Linie wichtig gewesen, eine Kirche für die Menschen zu schaffen. Eigentlich hatte der ehemalige Landesvater vorgehabt, im zweiten Teil aus einem persönlicheren Kapitel vorzulesen, doch das Publikum hatte so viele Fragen, dass aus der Lesestunde schließlich eine Gesprächsrunde wurde. „Würden Sie die Frage, ob alles gut ist, so wie es gekommen ist, mit Ja beantworten?“, wollte ein Gast wissen. „Das Entscheidende ist gewesen, dass die Deutschen wieder zusammen gekommen sind“, lautete Stolpes Fazit mit der Ergänzung, dass man einige Dinge anders hätte machen müssen. (Von Christin Schmidt)
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| Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 27. September 2011 um 15:45 Uhr |